In unserem ersten Artikel „Was wissen wir über die Geschichte von Bambarone La Masseria“ haben wir uns mit der konkreten Historie der Masseria beschäftigt.
Vielleicht interessiert es Sie auch, wie lange schon und warum besonders dieser Teil von Apulien schon seit Menschengedenken besiedelt wurde?
Beweise für erste Spuren menschlichen Daseins gehen derzeit bis in die Eiszeit, dem Pleistozän, zurück. Süditalien war während der Eiszeit in den Höhenlagen von Gletschern bedeckt, jedoch blieb das Klima auch zu den Kältehochzeiten vergleichsweise mild, aber sehr trocken. Im nahen Ostuni wurde ein gut erhaltenes weibliches Skelett ausgegraben, welches auf die unglaubliche Zeit zwischen 26.461–26.115 v. Chr. datiert wird (zu besichtigen im Museo Civico von Ostuni) https://www.ostunimuseo.it/museo-civico/.
Aber offenbar zogen die altsteinzeitlichen Jäger und Sammler in andere Gebiete weiter oder starben aus, jedenfalls sind sie nach dem Kältemaximum genetisch nicht mehr nachweisbar. Ein Grund könnte das Aussterben ihrer gewohnten Beutetiere sein, aufgrund der entstandenen Trockensteppen.
Dauerhaft bewohnt und bewirtschaftet wurde unsere Region um Bambarone La Masseria, die sogenannte Murgia, mindestens seit der Jungsteinzeit, dem Neolithikum (10.000-2200 v.Chr.). Genetische Untersuchungen zeigen, dass Siedler, aber auch Pflanzen und Tiere, auf dem Seeweg aus dem östlichen Mittelmeerraum einwanderten. Die Besiedlung erfolgte zunächst entlang der Küsten Apuliens und dehnte sich dann entlang der Flussläufe ins Landesinnere aus. Ein Vorteil dieser Gegend waren die schon erwähnten zahlreichen natürlichen Hohlräume im Untergrund. Auch während äußerst niederschlagsarmen Zeiten konnte das Wasser genutzt werden, welches sich in diesen Karsthöhlen gesammelt hatte. Die Menschen nutzten sie insbesondere an den Rändern der Flussbetten als Behausungen, die natürlichen Ressourcen waren mit den früheren reichen Wäldern und wilden Sträuchern, u.a. Oliven und mit der nahen Küste reichhaltig.
Wurden die großen, wassergefüllten Hohlräume freigelegt, zogen sie neben dem anderen Wild viele Tauben an, ein begehrtes Wildfleisch. Auf diese zahlreichen Tauben geht im Übrigen auch der Name unserer Stadt Fasano zurück: Fasi bedeutet auf griechisch Taube, daraus wurde dann Fasciano und später Fasano.
Ab dem 6. Jahrtausend v. Chr. setzte sich im Süden Italiens die Bodenbewirtschaftung – Anbau von Weizen, Roggen und Bohnen – und Haltung von Haustieren – vor allem Hund, Ziege, Schaf, Schwein und Rind – durch. Diese Kulturen brachten komplexe religiöse Riten und die erste Ansiedlung in kleinen Dörfern mit vielleicht 25 Menschen hervor, die jedoch noch nicht dauerhaft bewohnt wurden. Noch fehlen im neolithischen Italien alle Anzeichen für eine Hierarchisierung der Gesellschaft, wie etwa reiche Bestattungsplätze oder Beispiele für eine monumentale Architektur, im Gegensatz zu anderen Steinzeitkulturen.
Mit Beginn des 2. Jahrtausend v. Chr., während der Bronzezeit, bildeten sich die ersten wirklich festen Siedlungen heraus, besonders entlang der Küste Apuliens wurden Orte wie Bari, Monopoli, Polignano, Egnazia, Torre Santa Sabina bereits zu dieser Zeit regelmäßig als Hafenstandpunkte frequentiert. Kaufleute des mächtigen und reichen Mykene (auf dem Peleponnes in der Ägäis) installierten zwischen dem 17. und dem 12. Jahrhundert v. Chr. auf der Suche nach Rohstoffen ein weitverzweigtes Handelsnetz bis hin zu den italienischen Küsten einschließlich Sardinien und Sizilien. Die apulischen Küstenorte dienten ihnen auch als wichtige Zwischenstationen für noch weiter entfernte Handelsgüter, wie in Egnazia gefundenes Bernstein aus dem so fernen Baltikum belegt.
Im Hinterland ließen sich die Menschen zur gleichen Zeit in kleinen Siedlungen nieder, die von Ackerbau und Viehzucht lebten, wobei man durch Funde weiß, dass die Viehzucht deutlich überwog. Ergänzt durch Jagd, Fischfang, Wildfrüchte wie Oliven, Feigen und Eicheln fanden die Menschen nun ausreichend Nahrung an einem Ort und konnten das Nomadentum ablegen. Unter dem Einfluss mykenischer Zuwanderer fanden neben der Keramikherstellung, dem Stil von Begräbnisbauten auch die Kunst des Bierbrauens und der Milchverarbeitung bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. den Weg nach Apulien. Schafwolle wurde auf Webstühlen verarbeitet, wie Webgewichte beweisen, das Sekret der heimischen Purpurschnecke diente zum Färben der Stoffe.
Die rote Erde der Murgia war bestens geeignet, Tonwaren herzustellen, wobei die Technik gedrehter Keramik aus der Ägäis importiert wurde. Große, in die Erde eingelassene Tongefäße wurden für die Aufbewahrung von Nahrungsmitteln und Wasser genutzt.
Ab der 2. Hälfte des 2. Jahrtausend v. Chr. brachten Einflüsse aus Norditalien, der gegenüberliegenden Adriaseite und der Ägäis zudem die metallurgische Verarbeitung nach Apulien.
Zahlreiche Überreste bronzezeitlicher Grabstätten sind Hinweise auf nun bestehende hierarchische Strukturen, Handelsgüter und Produktionsüberschüsse begünstigen das Entstehen einer Elite. Megalithische Grab- und Ritualplätze haben sich in Apulien bis heute erhalten, ein schönes Beispiel ist der Dolmen von Montalbano im Gebiet von Fasano.
https://www.viaggiareinpuglia.it/de/dettaglio-attrattore/dolmen-montalbano
Mit dem Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit (zwischen dem 11. Und dem 10. Jahrhundert v. Chr.) tritt eine neue Bevölkerungsgruppe in Erscheinung: die Iapigi. Die Herkunft dieser Einwanderer ist nicht abschließend geklärt, Herodot, der antike Historiker und Geograph lässt sie aus Kreta stammen, eine andere Theorie verweist auf Illyrien auf dem westlichen Balkan. Sicher ist jedoch, dass wiederum eine Zuwanderung von außen stattfand und diese im Volk der Messapier aufging.
Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. gründeten die Griechen auf ihrem Expansionskurs auch feste Kolonien in Italien, der bereits seit der Bronzezeit besiedelte Hafenort Egnazia war dabei das nördlichste Zentrum des antiken Messapia (in etwa das heutige Salento, der Süden Apuliens). Egnazia, deren archäologische Ausgrabungen ganz in der Nähe von Bambarone La Masseria liegen, lag strategisch äußerst interessant auf einer erhöhten Felszunge, eingerahmt von 2 natürlichen Zuflüssen, die zum Anlanden von Schiffen bestens geeignet waren. Da Egnazia quasi in unserer Nachbarschaft liegt und sich seine spätantiken Strukturen gut erhalten haben, möchten wir hier etwas näher auf Egnazia eingehen und Ihnen einen Besuch unbedingt ans Herz legen!
https://www.comune.fasano.br.it/pagina55_egnazia-il-parco-archeologico.html
Nach ersten Hüttenbauten auf der Felszunge (der sogenannten Akropolis) und teilweise heute noch sichtbaren Grubengräbern entlang der Küste bringt der zunehmende griechische Einfluss in messapischer Zeit auch den Bau erster öffentlicher und religiöser Bauten mit sich. Ein etwas skurriles Vergnügen ist es, sich im Strandbad ArcheoLido die in die Felsküste eingelassenen Grabkammern anzuschauen.
Grabkammern an der Küste im Strandbad Archeolido neben Egnazia
Auf der Akropolis haben sich Überreste eines Tempels aus dem 6. Jahrhundert v.Chr. erhalten, die Siedlung fängt an, sich in Wohn-, Handwerks-, Kult- und Bestattungsräume zu spezialisieren. Wurden vorher die Toten teilweise sogar noch innerhalb der Hütten bestattet, ging man nun dazu über, eigene Nekropolen außerhalb der Stadtmauern mit teils aufwendigen Kammergräbern anzulegen. Die verbliebenen Grabkammern anzuschauen, ist besonders interessant: an den Wänden und Decken sind Reste einstiger prachtvoller Bemalung zu erkennen und monumentale Flügeltüren aus Stein haben sich bis heute erhalten. Diese Grabstätten wurden über viele Generationen von der gleichen Familie benutzt, die Knochen längst Verstorbener wurden in einer speziellen Wandnische aufbewahrt (Ossarium), während der Leichnam auf ein Holzbett oder auf eine in den Fels geschlagene Bank gebettet wurde (südliche und westliche Nekropole).
Zwischen dem 4. und dem 3. Jahrhundert v.Chr. wurde zum Schutz der Akropolis und dem südlich gelegenen Stadtgebiet ein breiter, 8 m hoher Mauerring errichtet, dessen imposantes Teilstück noch heute in seiner ursprünglichen Höhe bewundert werden kann. Direkt daneben hat man übrigens von einer kleinen, wunderschön abseits gelegenen Strandbucht die Möglichkeit, das ganze schwimmend vom Wasser aus zu erleben. Die Mauer umschloss ein Stadtgebiet von immerhin 140 Hektar, ein öffentlicher Marktplatz, umgeben von Säulengängen, eine erste Theateranlage und weitere Tempel wurden ganz in der griechischen Bautradition errichtet.
Nach dem Sieg der Römer in Süditalien gegen die griechische Kolonialherrschaft 265 v.Chr. wurde Egnazia wie ganz Messapia erstmals Teil des römischen Reiches.
Im Zuge des 2. Punischen Krieges – der Kampf der Karthager unter Hannibal gegen das Römische Reich (218-201 v. Chr.) – tobten die Kämpfe auch auf süditalienischem Boden. Die meisten der süditalienischen Bewohner hatten sich Karthago angeschlossen, um sich gegen die römische Vorherrschaft zu wehren. In dieser Zeit muss eine sehr wohlhabene Person unter größter Not eine große Anzahl wertvoller Münzen vergraben haben – ganze 179 Silbermünzen aus der Zeit zwischen 275 und 212 v. Chr. wurden 1933 bei Bauarbeiten am Bahnhof von Fasano ausgegraben. Der Schatz konnte offenbar nie wieder abgeholt werden, mit der Niederlage Tarents 212 v. Chr. war der Sieg Roms endgültig gesichert. Somit kann davon ausgegangen werden, dass bereits in antiker Zeit auch das Gebiet von Bambarone La Masseria zum weiteren Siedlungsgebiet von Egnazia gehörte, denn der Bahnhof liegt nur wenige Gehminuten entfernt. Den Münzfund kann man übrigens im sehr sehenswerten Museum von Egnazia bewundern.
https://www.comune.fasano.br.it/pagina55_egnazia-il-parco-archeologico.html
Neben seiner Bedeutung als wichtige Hafenstadt begünstigte Egnazia auch seine strategisch günstige Lage an einer Verbindungsstraße von Brindisi entlang der Adria nach Rom – eine kürzere Alternative zur Via Appia, welche über Tarent führte. Genau diese strategische Bedeutung führte in der Zeit des römischen Bürgerkriegs zu bedeutenden städtebaulichen Umbauten, die heute noch ablesbar sind. Nach Cäsars Ermordung 44 v.Chr. kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Oktavian und Marcus Antonius, welche sich um die Alleinherrschaft über das Römische Reich stritten. Diese endeten 27 v.Chr. mit dem Ende der Republik und dem Beginn der römischen Kaiserzeit, Octavian hatte gesiegt und nannte sich fortan Kaiser Augustus. Sein Schwiegersohn Marcus Vipsanius Agrippa forcierte als Schirmherr Egnazias den umfassenden Ausbau des Hafens, die Anlage eines rasterförmigen Straßennetzes, den Bau eines römischen Forums, flankiert von einem Gerichtsgebäude (der Basilica civile) und Thermenanlagen, nun dem römischen Kanon folgend.
Zwischen 109 und 114 n.Chr. unter dem römischen Kaiser Trajan wurde die alte Verbindungsstraße am Meer von Brindisi über Benevento nach Rom ausgebaut und weiter befestigt. Ab diesem Zeitpunkt wird sie Via Trajana benannt und ist als eine der berühmten römischen Hauptverkehrsachsen bekannt. Sie können noch heute Überreste dieser gepflasterten Straßen besichtigen – mit ihren tiefen Spurrinnen zeugen sie von der intensiven Nutzung über eine lange Zeit.
Die Via Trajana und der Marktplatz in Egnazia
Die Handelsbeziehungen Egnazias waren bis in die Spätantike weitreichend: neben Wein von der ionischen und tyrrhenischen Küste wurde apulisches Olivenöl in großem Stil exportiert, in Amphoren aus lokaler Produktion fand das Öl seinen Weg bis nach Palästina und Alexandria. Gebrauchskeramik und Öllampen wurden aus dem Orient und aus Afrika importiert. Ab dem 1. Jh. n.Chr. nimmt der Handel auch mit anderen römischen Provinzen wie Spanien, Gallien und Dalmatien zu, Wein wird zunehmend von den östlichen Mittelmeerregionen importiert. Ab der trajanischen Zeit verstärken sich die Handelsbeziehungen auch nach Nordafrika, die bis in die Spätantike anhalten. Dementsprechend hatte die Hafenanlage bis zur Mitte des 6. Jh. n.Chr. noch eine große Bedeutung, in der Folge wurde sie nur noch für die verbleibenden Siedler genutzt, bis der Hafen im 13. Jh. endgültig aufgegeben wurde.
Im nächsten Artikel wollen wir die Gründe für den Zusammenbruch dieser einst so vitalen antiken Stadt Egnazia beleuchten und wie es mit der Region mit dem Einzug einer neuen Religion weiterging: „Wie prägten Frühchristentum, Mittelalter und fremde Kulturen das Land um Bambarone La Masseria?“
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